Damals war es üblich, dass Jobangebote das Highlight eines Bewerbungsprozesses waren - So gut, dass man für den Job, für den man sich beworben hat, durchaus auch gehaltlich einen Rückschritt machen würde. Mit damals meine ich natürlich die Zeiten unserer Eltern und Großeltern, zu der ein Jobwechsel nur dann infrage kam, wenn man sich selbst beworben hat. 

Heute hat sich der Markt natürlich im Vergleich extrem gewandelt. Unternehmen buhlen um die Gunst qualifizierter Mitarbeiter und engagieren u.a Recruiter, die dieses Fachpersonal effektiv ansprechen und abwerben sollen. 

Unternehmen und Kandidaten werben füreinander

Letztlich finden natürlich nach wie vor Bewerbungsgespräche statt - man möchte sich selbstverständlich vergewissern, dass die Fähigkeiten des Kandidaten, dem Lebenslauf entsprechen und einen Mehrwert für das eigene Unternehmen bieten. Schließlich ist ein Angebot gewisser weise ein Vertrauensbeweis an einen zukünftigen Mitarbeiter: Ohne die Fähigkeiten und den Mehrwert zu 100% beurteilen zu können, geht ein Unternehmen mit einem Angebot stets in "Vorkasse". 

Andererseits suchen viele qualifizierte Fachkräfte nicht aktiv nach einem neuen Job, vor allem nicht dann, wenn es in der aktuellen Anstellung schon recht zufriedenstellend ist. Dennoch ist man nicht abgeneigt etwaige Angebote einzuholen und diese mit der bestehenden Situation zu vergleichen. Heißt im Umkehrschluss: Der Bewerber versucht klassischerweise, das Unternehmen von sich zu überzeugen und das Unternehmen muss sich natürlich auch bestmöglich präsentieren, um den Bewerber für sich zu gewinnen.

Absage durch den Bewerber trotz Vertragsangebot

Trotz allem kommt es dennoch häufig vor, dass zum Ende eines Prozesses, das Unternehmen, überzeugt von dem Kandidaten, ein Angebot unterbreitet und der Bewerber dieses schlussendlich ablehnt. Man dürfte meinen, dass dieses häufig an der Höhe des angebotenen Gehaltes liegt - rund 71% der Befragten würden dem auch zustimmen. Was jedoch noch viel wichtiger und damit auf Platz 1 der häufigsten Gründe der Jobabsagen liegt, ist der Eindruck des künftigen Vorgesetzten. Rund 72% der Befragten haben erklärt, dass Sie ein Jobangebot ausschlagen, wenn der zukünftige Vorgesetzte keinen guten Eindruck macht - verständlich: Niemand möchte einen Chef, der bereits in den Bewerbungsgesprächen z.B unhöflich erscheint.

Weitere Gründe sehen Sie in der nachfolgenden Übersicht: 

Grund für Jobabsage an Unternehmen

Prozentualer

Anteil

Künftiger Vorgesetzter macht keinen guten Eindruck

72 %

Gehalt entspricht nicht den Erwartungen

71 %

Arbeitsplatz und Unternehmen waren nicht ehrlich beschrieben

66 %

Ich verstehe mich auf persönlicher Ebene nicht mit den Gesprächsteilnehmern

58 %

Arbeitsinhalte entsprechen nicht meinen Erwartungen

58 %

Inhalte weichen zu stark von der Jobbeschreibung ab

51 %

Ich wurde im Interview gezielt unter Druck gesetzt

42 %

Arbeitsplatz/Unternehmensstandort sagt mir nicht zu

26 %

Ich sollte unvorbereitet einen Test/eine Prüfung absolvieren

25 %

Ich musste zu lange auf Gesprächspartner warten

15 %

Quelle: Stepstone Studie "Kandidaten im Fokus" (2017)

An den ersten Punkten wird bereits deutlich, dass (unabhängig eines passenden finanziellen Rahmens) ein guter Draht zu dem Chef oder den Gesprächsteilnehmern, sowie Ehrlichkeit von Beginn an, wichtige Faktoren hinsichtlich eines Jobangebotes darstellen.

Es ist also entscheidend für den Ausgang eines Bewerbungsprozesses, dass auch das Unternehmen, ob CEO/fachlicher Leiter oder Personalmanager-in, sich von Ihrer besten Seite präsentieren. Zudem sollten Sie dem Mitarbeiter von Beginn an einen ehrlichen Eindruck darüber vermitteln, was ihn/sie während der Anstellung in Ihrem Unternehmen erwartet. Vergessen Sie nicht: Der Mitarbeiter kann sich auch nach dem Start für einen weiteren Wechsel entscheiden, sollte die Tätigkeit nicht das hergeben, was Sie in den Gesprächen versprochen hat - dies ist ja nicht Ziel des Ganzen.